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29. Januar. 2012 |
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29.01.1499 – 20.12.1552 (Torgau)
Katharina von Bora
So außergewöhnlich wie der Reformator war auch die Frau an seiner Seite, so spannend wie sein Lebensweg verlief auch der ihre.
1499 als Tochter eines verarmten Adligen geboren, kam sie schon als Kind in das Kloster Nimbschen. 1515 legte Katharina das Gelübde ab. Damit wurde sie zum frühestmöglichen Termin Nonne. Ob sie sich wirklich berufen fühlte, ist zweifelhaft, aber damals war das Kloster eine anerkannte Versorgungsmöglichkeit für Frauen, die nicht heiraten wollten oder wie Katharina mangels Mitgift nicht (standesgemäß) heiraten konnten.
Unter dem Einfluss der Reformation floh sie 1523 mit anderen Nonnen nach Wittenberg. Dort fand sie Aufnahme im Haus Cranachs des Ältern
1525 heiratete sie Martin Luther. Dem Ehepaar wurden sechs Kinder geboren, von denen vier das Erwachsenenalter erreichten.
Die berühmteste Pfarrfrau der Welt" führte nicht nur einen großen Haushalt, sondern sie war ihrem Mann auch eine unentbehrliche Gefährtin und Beraterin.
Katharina übernahm das Regiment über Haus und Hof, Ställe und Zimmer, Bankkonten und Schuldentilgung. Sie ließ das Haus ausbessern und frisch anstreichen, machte aus dem Mönchsfriedhof im Kloster einen Kräutergarten, verwandelte das Erdgeschoss in einen Schweinestall, ließ das Backhaus herrichten. Sie drängte ihren Mann dazu, den angrenzenden Garten mitsamt Bach und Fischteich zu kaufen. Luther kaufte auf ihre Veranlassung weitere Gärten und Güter, auf denen sie Viehzucht und Obstanbau betrieb. 1544 auch einen Weinberg, schließlich einen Hopfengarten.
Solche praktischen Fähigkeiten wie die Führung eines großen Haushalts lernten Mädchen durchaus im Kloster. Ein gut ausgestattetes Kloster versorgte sich selbst, die Führungskräfte, vor allem die Äbtissin, waren sehr oft erfahrene Managerinnen, die über Land und Leute herrschten. Merkwürdigerweise fand das niemand unangemessen, obwohl Frauen in anderen Bereichen schon als unfähig galten, nur ihr eigenes Leben zu organisieren.
Ohne Katharina von Bora wäre der Reformator wohl im Chaos des Alltags versunken und die lutherische Reformation nicht vorangekommen. Für manche Zeitgenossen war Katharina die "Xanthippe der Reformation", für andere die Lichtgestalt im Hause Luthers, Vorbild für Generationen von evangelischen Pfarrfrauen.
1542, vier Jahre vor seinem Tod, machte Luther sein Testament und bestimmte Freunde zum Vormund Katharinas und seiner Kinder. Trotz ihrer Fähigkeiten konnte Katharina als Frau rechtlich nicht selbständig auftreten – ein Zustand, der bis weit ins 19. Jahrhundert andauerte. Nach Luthers Tod erbte Katharina zwar das gemeinsame Vermögen, aber die Pest und der ausbrechende Schmalkaldische Krieg verwüsteten Wittenberg und ihre Besitztümer. Sie musste mehrmals Wittenberg verlassen, um sich zu retten, und sie musste Schulden machen, um die Landwirtschaft wieder aufzubauen. Verwandte und Nachbarn erhoben Ansprüche, Katharina führte einige Prozesse, um ihren Besitz zu retten. Auf der Flucht vor Pest und Krieg reisten sie und ihre Kinder im Lande umher, immer weniger Freunde nahmen sie auf. Starke Frauen waren auch damals nicht beliebt.
Auf einer erneuten Flucht vor der Pest fuhr Katharina 1552 nach Torgau. Als die Pferde scheuten, sprang sie, um ihre Kinder zu schützen, vom Wagen, stürzte in einen Wassergraben und zog sich eine Lähmung und eine Erkältung zu, von der sie sich nicht mehr erholte. So wurde sie in Torgau begraben, unter großer Anteilnahme der lutherischen Freunde, die in den letzten Jahren ihres Lebens nichts mehr von ihr hatten wissen wollen.
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